Sexualerziehung (in der Jugendhilfe)

Pädagogik

Ich weiß, dass das ein ganz heikles Thema ist und sich immer noch viele Menschen davor scheuen dieses Thema öffentlich zu besprechen, aber genau, deswegen möchte ich diesem Thema hier auf diesem Blog Raum geben. Bereits 2013 war das Thema Sexualerziehung in der Jugendhilfe mein frei gewähltes Thema in meiner Abschluss- und Projektarbeit im Rahmen meiner Erzieherausbildung.
Auch heute fällt mir immer noch auf, dass die Kids in der Jugendhilfe dem Alter entsprechend viele Fragen zum Thema „Liebe, Freundschaft und Sexualität“ haben. Im normalen Alltagsgeschehen besteht kaum genug Zeit diese Fragen ausführlich und kindgerecht zu beantworten. Schweigt sich aber das Umfeld von Kindern aus oder zeigt sich gar schamhaft im Umgang mit diesem Thema, so kann es sein, dass Kinder eine falsche Einstellung zur Sexualität entwickeln. Sie können Sexualität als etwas Unanständiges empfinden oder in der Phase des unreflektierten Nachahmens von Meinungen und Verhaltensweisen Anderer verharren. Aus dieser Feststellung entstand die Idee, ein aus dem   Alltag losgelöstes Projekt zum Thema Sexualerziehung in der Jugendhilfe zu entwickeln und dies dann in einem geschützten und sehr kleinen Rahmen immer wieder nach Bedarf durchzuführen. Die Pädagogin und Autorin Manuela Peerakis verweist in ihrem Bericht „Warum Aufklärung notwendig ist“ auf der Homepage Hallofamilie.de wie folgt darauf: „Man muss bedenken, dass nicht die Informationen, die man vermittelt, auf dumme Gedanken bringt, sondern die falsche oder nur teilweise wahre Information. […] Die Warnung vor den Folgen von jeglichen sexuellen Handlungen führen eher zu Heimlichtuereien und Ängsten.“ (www.Hallofamilie.de/Erziehung/weitere-artikel/1/98-sexualerziehung.html). Bereits im Grundgesetzt der Bundesrepublik Deutschland, in Artikel 3, steht geschrieben:

  • Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich
  • Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
  • Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung benachteiligt oder bevorzugt werden.

Egal auf welchen Bereich im Leben man das bezieht. Nun wird aber immer wieder deutlich, dass es auch heute noch Benachteiligungen gibt. Immer wieder trifft man auf Eltern/Angehörige/Erzieher von Kindern, die diesen Aspekt der Erziehung übergehen und ihn völlig außen vorlassen. Die Kinder und Jugendlichen erfahren durch das Projekt: „Liebe, Freundschaft, Sexualität“, die Möglichkeit Grenzen zu setzen, Ängste abzubauen und ihren eigenen Körper wertzuschätzen.„Bis Ende der Sechzigerjahre blieb die sexuelle Aufklärung den Familien überlassen. Aufklärung war Privatsache. Die 68er trieben die Enttabuisierung ins Extrem. Am 3 Oktober 1968 beschloss die Kultusministerkonferenz die „Empfehlung zur Sexualerziehung in den Schulen.“ Nun sollten auch die Lehrer an den Schulen sexuelle Aufklärung geben, das Thema wurde in den Lehrplan aufgenommen.“ (Die Welt Kompakt vom 24.4.2013 Miriam Hollsteinj) Im Jahr 1977 urteilte das Bundesverfassungsgericht, die schulische Sexualerziehung habe sich auf die Wissensvermittlung zu beschränken und müsse auf die „religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen“ der Eltern Rücksicht nehmen. Dieses Urteil ist bis heute rechtskräftig und führt dazu, dass jede Schule selbst entscheidet, wie der Sexualunterricht aussieht.
Eine wichtige Voraussetzung für ein verantwortungsvolles Verhalten sich selbst, seinem Partner und der Gesellschaft gegenüber, ist das Wissen über die natürliche Sexualität. Und zudem ist die sexuelle Identitätsfindung von grundlegender Bedeutung für die menschliche Persönlichkeitsentwicklung. Kinder benötigen Information über das Thema, man muss ihnen eventuell aufgebaute Ängste nehmen. Alle Mitglieder des pädagogischen Teams benötigen Informationen über Inhalt und den Verlauf des Projektes um auf Rückfragen und Reaktionen der Teilnehmer reagieren zu können. Die pädagogische Haltung zum Umgang mit dem Thema Sexualität sollte besprochen werden. Immer wieder kann es im Verlauf eines solchen Projektes zu Situationen kommen, in denen die Kinder/Jugendlichen sehr persönliche Fragen stellen. Die Fragen werden nicht, durch Zitate und Erlebnisse der eigenen Erfahrung beantwortet, vielmehr wird freundlich darauf hingewiesen, dass hier an dieser Stelle eine Grenze besteht. Jeder Mensch hat das Recht seine Persönlichkeit zu schützen. Neben der professionellen pädagogischen Distanz, die mit dieser Feststellung aufrechterhalten werden kann, hat man im Gespräch so gleichzeitig die Möglichkeit das Thema Nähe Distanz mit den Kindern/Jugendlichen zu besprechen. Es muss den betreuenden Pädagogen bewusst sein, dass jede thematische Beschäftigung innerhalb der Jugendhilfe bei den Teilnehmern die Beschäftigung mit ihrer Vergangenheit auslösen kann. Re-Traumatisierungen, Erinnerungen und Blockaden, plötzliche Verhaltensänderungen der Teilnehmer können innerhalb der Gruppe auftreten. An den Pädagogen werden dann automatisch andere als die eigentlich beabsichtigten Anforderungen gestellt. Diese Anforderung, eine pädagogische Reaktion, kann erfüllt werden, wenn sich die Pädagogen thematisch sicher in der Arbeit des Projektes sind, eine Beziehung zu den Teilnehmern habe und über individuelle persönliche Hintergrundinformationen der Teilnehmer verfügen. In der pädagogischen Projektarbeit benötigt man einen Rucksack voll mit Informationen, Methoden und persönlichen Fähigkeiten, die man zu jeder Zeit nutzen können muss. Für mich gibt es nicht das perfekte Material, ich schaue mir jede Gruppe individuell an und greife dann auf meine unterschiedlichen Materialien zurück und schaue im Verlauf des Projektes was wir vielleicht noch zusätzlich gebrauchen können.

Leider ist es bei dem Thema, wie mit so vielen Dingen im Leben, das Projekt ist abhängig von mir als Person, und es fällt nach wie vor vielen Kollegen schwer, anzuerkennen, dass es ein Teil der Erziehung ist und wir einen Erziehungsauftrag haben, der dieses Thema impliziert. Oftmals lautete in der Vergangenheit die Antwort auf Fragen aus diesem Themenbereich: „Bespreche das doch mal mit Maike, die hat da mehr Ahnung von.“ Also heißt es für mich auch die nächsten Jahre, dafür zu sorgen, dass das Thema enttabuisiert wird, für mich war dieser ausführliche Blogeintrag ein nächster Schritt in die Richtung

Hier ein kleiner Überblick über meine Materialkisten. Das meiste bestelle ich kostenlos bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Viele Kondomhersteller, schicken einen auf Nachfrage, kostenlos sogenannte „Schulboxen“ zu. Die Puzzles zum Beispiel habe ich mal im Einzelhandel erworben.

Dieser Beitrag könnte von diversen Menschen als Werbung gewertet werden,  ich habe aber alles selber bezahlt bzw. bestellt…